Am 29. Januar 1856 legt ERNST GROSS die Meisterprüfung im Secklerhandwerk ab und gründet gleichzeitig die Firma Ernst Gross als Handwerksbetrieb nebst einem Handel mit Leder- und groben Leinenartikeln in Ludwigsburg. Hergestellt werden Leinensäcke und sackähnliche Taschen, daher der Name Säckler oder Seckler. Aus diesem Handwerksberuf entwickelte sich im Laufe der Zeit der Bandagistenberuf. Der Betrieb befindet sich in der Charlottenstraße, direkt gegenüber dem Schloß. Offenbar floriert das Geschäft, denn bald kann das Haus Vordere Schloßstraße erworben werden. Der Gründer der Firma erkennt richtig, dass sich der geschäftliche Schwerpunkt der Stadt von der unteren in die obere Stadt, Richtung Marktplatz verlagert. Nach dem Tode des Vaters übernimmt der Sohn PAUL GROSS das Geschäft. Er ist Secklermeister und Bandagist. Werkstatt und Laden befinden sich in der Vorderen Schloßstraße, Ecke Bärenstraße.
Das dem Haus gegenüberliegende Hotel Bären verleiht der Umgebung etwas vom Glanz der großen Welt, denn hier steigen Staatsgäste und hohe Militärs ab. Bedingt durch die in Ludwigsburg stationierten Militäreinheiten wird nun der Handel mit Mützen, Kappen und Handschuhen zum Hauptumsatzträger. Diese Artikel werden selbst hergestellt. Mit der Entwicklung der Medizin und den Erkenntnissen auf dem Gebiet der Orthopädie werden nun in zunehmenden Maße, nach den Verordnungen der Ärzte, Bandagen und orthopädische Hilfsmittel hergestellt.
Zum Warensortiment gehören Krankenpflegeartikel und medizinische Gummiwaren. Im Alter von nur 46 Jahren stirbt Paul Gross und hinterlässt seiner Witwe das Geschäft. Der Sohn Adolf absolviert zu dieser Zeit eine Bandagistenlehre in Stuttgart. Anschließend vervollkommt er seine beruflichen Kenntnisse in Betrieben in Düsseldorf, Köln und Bern.

1909 kommt für ADOLF GROSS der Zeitpunkt, das elterliche Geschäft zu führen. 1913 legt er die Meisterprüfung ab. Bald zeigt sich, dass der Standort des Geschäfts ungünstig wird, da sich die Schwerpunktlage weiter in Richtung Kirch- und Wilhelmstraße verlagert. Man sieht sich nach einem entsprechenden Projekt um. Inzwischen bricht aber der erste Weltkrieg aus und Adolf Gross muß den feldgrauen Rock tragen.

Durch den Dienst bei einer Sanitätseinheit erwirbt er sich Kenntnisse in der Krankenpflege, die seinem späteren beruflichen Werdegang zustatten kommen. Im Jahr 1920 kann das Haus in der Kirchstr. 8 gekauft werden. Trotz Inflation geht es aufwärts. Es zeigt sich, dass der Standort wieder gut gewählt war. Tüchtige Mitarbeiter in Werkstatt und Handel werden herangebildet. Der Sohn Ernst erlernt, wie seine Vorfahren, den Bandagistenberuf. Sein beruflicher Werdegang wird durch die Teilnahme am zweiten Weltkrieg zwangsläufig unterbrochen. Nach Ausbildungsstationen in Stuttgart und München tritt er nach dem Ende des Krieges in das Geschäft ein und legt die Meisterprüfung ab. Mit dem Wachstum der Stadt und mit der Aufgabe, die Bevölkerung mit Krankenpflegeartikeln und orthopädischen Hilfmitteln zu versorgen, weitet sich das Geschäft aus, so dass großzügige Umbauten und Erweiterungsmaßnahmen notwendig werden.

Der SANITÄTS-GROSS wird zu einem Begriff in der Stadt. 1970 stirbt Adolf Gross und Ernst Gross übernimmt das Geschäft. Sein Sohn Martin erlernt den Beruf des Vaters in Stuttgart und wird nach Abschluß der Lehre Bundessieger im Leistungswettkampf der Handwerksjugend. Im Jahre 1978 wird eine Filiale in Kornwestheim errichtet, gleichzeitig eröffnet man ein Rollstuhlzentrum in der Kurfürstenstraße in Ludwigsburg. 1979 kann ein nach hinten angrenzendes Grundstück in der Kirchstraße erworben werden, das im gleichen Jahr für die Erweiterung von Werkstatt- und Lagerräumen überbaut wird. Martin Gross legt in der Bundesfachschule in Frankfurt die Orthopädietechnikerprüfung und die Meisterprüfung im Bandagistenhandwerk ab.

Am 20. Juli 1981, dem 60. Geburtstag von Ernst Gross, kann das 125jährige Bestehen der Firma gefeiert werden.

Die Chronik verdeutlicht, wie ein Handwerksgeschlecht von Generation zu Generation in seinem Beruf gearbeitet und sich bewährt und behauptet hat. Immer wieder trat der Sohn in die Fußstapfen des Vaters, weil er es als seine Pflicht betrachtete, das Angefangene fortzusetzen, das Ererbte zu erhalten und seine ganze Kraft für das Geschäft einzusetzen. Die Ehefrauen haben an der Entwicklung einen erheblichen Teil beigetragen, da sie immer mitgearbeitet haben, sei es im kaufmännischen Bereich oder im Ladenverkauf. Man erkennt, wie sich der Beruf des heutigen Orthopädietechnikers und des medizintechnischen Facheinzelhändlers im Laufe der Jahre entwickelt hat. Vom Zuschneiden und Zusammennähen von Säcken verschiedenster Art, bis zur Herstellung komplizierter orthopädischer Apparate, war es ein langer Weg. Handwerkliches Können, kaufmännisches Geschick und eine Portion Glück waren sicher notwendig, um es zu ermöglichen, dass der SANITÄTS-GROSS sich in den nicht immer ruhigen Zeiten behauptet hat, dass er immer mit der Zeit gegangen ist und heute mit seinen Mitarbeitern stolz auf seine Vergangenheit zurückblicken kann.
Wenn es gelungen ist, den Tag des 125jährigen Bestehens zu erreichen, so muß allen Freunden des Hauses, den Kunden und Lieferanten aufrichtiger Dank für die bewiesene Treue gesagt werden. Dank auch den Ärzten, den Krankenkassen und Behörden. Nicht zuletzt aber Dank allen Mitarbeitern, die in wechselvollen Zeiten die Treue gehalten und an der erfolgreichen Entwicklung tatkräftig mitgearbeitet haben.

1988 Eröffnung einer Filiale in der Ulrichstrasse in Bietigheim. Diese Maßnahme wird notwendig um dem Kundenkreis in der nördlichen Region näher zu kommen. Durch Ausweitung der Rollstuhl- und Rehabilitationsmittelabteilung und der Orthopädiewerkstatt wird 1994 ein großzügiger Neubau in der Teinacher Strasse errichtet. Es sind alle modernen Einrichtungen samt Parkplätzen vorhanden, wodurch eine optimale Kundenbetreuung gewährleistet ist.

Im Jahre 2001 wird die Bietigheimer Filiale aus organisatorischen Gründen nach Besigheim in die Hauptstrasse verlegt.

2006 feiert die Firma Gross ihr 150-jähriges Jubiläum. Anlässlich dieses Ereignisses wird das Hauptgeschäft in der Kirchstraße komplett neu renoviert. Desweiteren erhält die Firma Gross ein neues Erscheinungsbild und presentiert sich ab sofort mit dem Slogan "GROSS gehört zum Leben".